Sätze (6): Sätze zum Weiterlesen (2) — Zeitungssprache 205

Sätze dürfen die Leser nicht verprellen. Sie dürfen keine Stolperfallen enthalten. Ungebräuchliche Fachwörter und Schachteln sind solche Stolperfallen.

Beispiel
Die vor Jahren ins Leben gerufene Kommunale Verkehrsüberwachung versteht sich allerdings nach den Worten von Nina Name nicht als „Gewinnerzielungsmaschine“, sondern als eine Behörde, die sich im Auftrag der Städte um die Einhaltung der Verkehrsvorschriften und damit um die Verkehrssicherheit kümmert.

Anmerkungen

Vier Schachteln in 41 Wörtern, darin geht die Fehlinformation unter.

Vier Schachteln in 41 Wörtern, darin geht die Fehlinformation unter.

Das ist so ein Satz mit Stolperfallen. Er enthält
– vier Schachteln: „ vor Jahren ins Leben gerufene“, „ nach den Worten von Nina Name“, „nicht als ,Gewinnerzielungsmaschine’, sondern“ und „im Auftrag der Städte“,
– ein ungebräuchliches Wort: „Gewinnerzielungsmaschine“,
– 41 Wörter,
– eine unnötige Umständlichkeit, nämlich dass die Kommunale Verkehrsüberwachung „sich als Behörde versteht“. Heißt das, dass sie keine Behörde ist? Dann wäre es richtig, zu schreiben, dass sie sich als solche versteht. Wenn sie eine Behörde ist, muss sie sich nicht als eine verstehen.

Ohne die Stolperfallen hieße der Satz: Die Kommunale Verkehrsüberwachung ist eine Behörde, die sich um … – und jetzt ist die Frage, wie wir die Information fortsetzen. Lassen wir es bei: „… die Einhaltung der Verkehrsvorschriften und damit um die Verkehrssicherheit kümmert?“ Oder verbalisieren wir? Dann hieße der Satz: „Die Kommunale Verkehrsüberwachung ist eine Behörde, die sich darum kümmert, dass Verkehrsvorschriften eingehalten werden und der Verkehr sicher ist.“

So formuliert zeigt der Satz, dass der Text eine Fehlinformation verbreitet – was im Originalsatz untergeht. Die Kommunale Verkehrsüberwachung kümmert sich mitnichten darum, dass Verkehrsvorschriften eingehalten werden und der Verkehr sicher ist. Wer sich kümmert, muss eingreifen, Anweisungen geben, helfen und Ähnliches. Das aber ist nicht die Aufgabe dieser Organisation. Sie registriert nur Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, denen folgen die Knöllchen.

Zusammenfassung
Wer einen Satz von Stolperfallen befreit und verbalisiert, tut dem Leser Gutes. Erstens lässt der Satz leichter lesen. Zweitens kommt die Nachricht zum Vorschein. Drittens lässt sich der Wahrheitsgehalt der Nachricht erst dann erkennen, wenn sie klar formuliert ist.

Nun könnte man einwenden, nicht die Zeitung, die den Text veröffentlicht hat, sei für die Unrichtigkeit verantwortlich, sondern diejenige, die mit dieser Aussage zitiert wird. Ich bin anderer Ansicht. Die Zeitung muss die Nachricht so deutlich formulieren, dass die Leser sofort darauf stoßen können, wie es um deren Wahrheitsgehalt bestellt ist.

© Egbert Manns

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About egbertmanns

Redakteur Lehrbeauftragter (Journalistik)
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