Einkommen Redakteure an Tageszeitungen

Das Tarif-Einkommen* der meisten Redakteure an Tageszeitungen steigt im Jahr 2014 doch etwas mehr als die Inflationsrate. Denn das Urlaubsgeld und die Jahresleistung (derzeit zusammen 1,75 Monatsgehälter) werden erst vom Jahr 2015 an um zusammen je 5 Prozent eines Monatsgehalts verringert. Das besagt das Protokoll des Verhandlungsstands, das der DJV und die DJU/Verdi veröffentlicht haben; die BDZV-Pressestelle hat es bestätigt. Die Redakteure in vier nördlichen Bundesländern werden im Jahr 2014 noch  80 Prozent eines Monatsgehalts Urlaubsgeld und 82,5 Prozent Jahresleistung erhalten (1,625 Monatsgehälter), die Jungredakteure vermutlich Anteile von 1,5 Monatsgehältern (siehe unten). Von 2015 an sind es zusammen nur noch 1,5 Monatsgehälter. Untergegangen in der Nachrichtenlage war bisher, dass die Kontoführungsgebühr (1,28 Euro im Monat) abgeschafft wird. Weil sich die Zahlen für das Monatseinkommen und die prozentualen Erhöhungen und Verluste geändert haben, habe ich diesen neuen Blog angelegt und auch die Tabellen noch einmal modifiziert.

Der Manteltarifvertrag kann zum 31. Dezember 2018 gekündigt werden, obwohl er schon eine Bestimmung für 2019 enthält, nämlich die Jahresleistung auf 82,5 Prozent und das Urlaubsgeld auf 67,5 Prozent zu senken (PM von DJV, DJU/Verdi und BDZV). Ursprünglich war wohl geplant, so lasen sich die Pressemitteilungen von DJV und BDZV vom 24. April, das Urlaubsgeld und die Jahresleistung schon 2014 zu senken. Dass das nicht geschieht, begründete die Pressesprecherin des BDZV damit, dass einige Verlage das Urlaubsgeld 2014 schon ausgezahlt hätten. Offenbar hat es zwischenzeitlich die Überlegung gegeben, die Einkommensverringerung dann eben mit der Senkung der Jahresleistung im Dezember 2014 zu beginnen. Aber ich solle mich jetzt auf das Protokoll des Verhandlungsstands verlassen.

Was heißt das in Zahlen?

Tabelle 1: Entwicklung Redakteurseinkommen ohne Höhergruppierung, ohne Nordländer, nicht künftige Berufseinsteiger, Infostand 29.04.2014.

Tabelle 1: Entwicklung Redakteurseinkommen ohne Höhergruppierung, ohne Nordländer, nicht künftige Berufseinsteiger, Infostand 29.04.2014.

Die Einkommen der angestammten Redakteure steigen im Jahr 2014 um netto 1,72 Prozent und im Jahr 2015 um noch einmal netto 1,58 Prozent (siehe Tabelle 1 **) . 1,72 Prozent liegt über der Inflationsrate von 1,5 Prozent, die das Statistische Bundesamt für 2013 angibt. Wären Urlaubsgeld und Jahresleistung schon 2014 gesenkt worden, hätte die Nettoerhöhung nur 1,4 Prozent betragen. In Beträgen macht die erste Erhöhung monatlich 25 Euro pro 1000 Euro Monatseinkommen aus und die zweite noch einmal 15,38 Euro pro 1000 Euro. Rechnet man Urlaubsgeld und Jahresleistung auf die Monate um, macht die erste Erhöhung 29,51 Euro und die zweite nur noch 9,98 Euro aus, weil mit ihr die erste Senkung von Urlaubsgeld und Jahresleistung wirksam werden. Von da an sinkt das Einkommen (einschließlich Umlage) monatlich um rund 4,30 Euro, falls die Gehaltstarifverhandlungen 2016 keine Verbesserung bringen.

Tabelle 2: Entwicklung Redakteurseinkommen ohne Höhergruppierung, für Berufseinsteiger und für Redakteure in Nordländern, Informationsstand 29.04.2014.

Tabelle 2: Entwicklung Redakteurseinkommen ohne Höhergruppierung, für Berufseinsteiger und für Redakteure in Nordländern, Informationsstand 29.04.2014.

Die Kollegen in den Bundesländern Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein erhalten jetzt 11,88 Euro pro 1000 Euro Monatseinkommen (wenn Urlaubsgeld und Jahresleistung umgelegt werden) mehr, das sind 0,69 Prozent, und nächstes Jahr weitere 12,71 Euro pro 1000 Euro (1,04 Prozent). Danach bleibt das monatliche Einkommen gleich, falls die Gehaltstarifverhandlungen 2016 keine Verbesserung bringen (siehe Tabelle 2 **).

Das Einkommen der Kollegen aus den nördlichen Bundesländern wird auch das der Jungredakteure sein, die erst nach dem 30. Juni “ein Arbeitsverhältnis … begründen”. Im oben genannten Protokoll heißt es für sie, dass die entsprechenden Regeln des Manteltarifvertrags gelten “beginnend mit dem Auszahlungszeitpunkt der Jahresleistung unter der Maßgabe, dass die Jahresleistung 82,5 % und das Urlaubsgeld 67,5 & beträgt”. Falls das bedeutet, dass die Jungredakteure schon 2014 nur 67,5 Prozent Urlaubsgeld erhalten, verringert sich ihr Einkommen pro 1000 Euro Monatsgehalt im Jahr um 20 Euro (Einstellungstermin 1. Juli) oder 10 Euro (Einstellungstermin 1. Oktober). Dafür habe ich keine eigene Tabelle gemacht.

Die Kontogeführungsgebühr von bisher 1,28 Euro monatlich wird nicht mehr erstattet. Das in die Tabellen aufzunehmen ist nicht möglich. Sie macht bei 3000 Euro Monatseinkommen 0,037 bis 0,038 Prozent aus. Ob das das Schnäpschen war?

Egbert Manns

Wer Fehler sieht: gleich eine E-Mail an mich schicken = egbertmanns bei aol.com

1. Update 30. April 2014: Vorletzter Absatz zum Jungredakteurseinkommen ergänzt und Vorspann entsprechend modifiziert.

* Einkommen immer brutto.
** Abweichungen der Tabellenzahlen vom Text resultieren daraus, dass ich im Text die Mittelwerte nehme.

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About egbertmanns

Redakteur Lehrbeauftragter (Journalistik)
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