Der Vorspann mit Neuigkeiten: Gleich zur Sache (1) – Zeitungssprache 014

Nachrichten, die den Lesern neu sind, sind am einfachsten zu schreiben. Das haben wir in den ersten Blogbeiträgen gesehen. Fallen Sie mit der Tür ins Haus! Schreiben Sie den Küchenruf hin. Vermeiden Sie eine Einleitung, antworten Sie direkt auf die Frage „Was war los?“ Widerstehen Sie der Versuchung, ein Hintergrund-Intro zu schreiben.

Beispiele: Manche Redakteure quetschen Hintergrund oder einordnende Bemerkungen vor einer Nachricht in einen Doppelpunktsatz, weil der schön kurz wird. Das ist das Intro. Dann heißt es beispielsweise: Für den FC Enstadt kommt es knüppeldick: Stürmer Mario Möller und Verteidiger Florian Frings werden wegen ihrer roten Karten im vergangenen Spiel für jeweils drei Spiele gesperrt. Wer braucht die Information „Für den FC Enstadt kommt es knüppeldick“? Niemand.

Schueller

Inszenierte Dramaturgie, die keiner braucht: ein sinnloses Intro. Und in den ganzen 570 ersten Anschlägen kein Hinweis auf die Nachricht.

Wir lesen: Die erste Frage klingt unspektakulär: Wie können Kirchengemeinden unterstützt werden, die eigenständig bleiben wollen?
Nicht nur, dass das Intro eine persönliche Einschätzung des Autors enthält, die in einem Bericht nichts zu suchen hat. Die Frage wird innerhalb der ersten sieben Sätze einfach nicht beantwortet. Man muss sich durch weitere 72 Wörter mit 532 Anschlägen kämpfen, bis die Nachricht kommt: Auch Laien sollen seelsorgerische Leitungsaufgaben in Gemeinden übernehmen.

Beliebt sind Schreckensausrufe mit Doppelpunkt: Grauenhaftes Unglück vor Lampedusa: Beim Untergang eines Flüchtlingsschiffs sind möglicherweise 300 Menschen gestorben. … Wer braucht die Info „Grauenhaftes Unglück“? Niemand. Wir lesen auch manchmal: „Die Welt hält den Atem an: …“, „Deutschland atmet durch: …“ und „Glückliches Deutschland: …“ und ähnliches.

Manches Hintergründige wird trotz des Doppelpunkts lang und länger. Etwa auf diese Art: Es ist eine beeindruckende Zahl, die das Statistische Bundesamt ermittelt hat:   Und dann erst kommt die Nachricht. Das Intro ist wertend und sinnlos.

Zusammenfassung: Intros dieser Art sagen allenfalls etwas über die Befindlichkeit des schreibenden oder redigierenden Redakteurs aus. Die will ich aber nicht kennen, ich will die Nachricht lesen. Unkommentiert. Dass die Doppelpunktsätze Platz einnehmen, den man für wirkliche Informationen brauchen könnte, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Unterlassen Sie den Unfug.

@ Egbert Manns

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About egbertmanns

Redakteur Lehrbeauftragter (Journalistik)
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