Zur Nachricht gehört ein Vorspann (2) – Zeitungssprache 011

Wie lang der Vorspann einer Nachricht sein darf, hängt von den Layoutvorgaben des Zeitungsdesigners und von der Sachlage ab. In manche Vorspänne passen 150 Anschläge, in andere 450.

Drei Empfehlungen:
1. Es ist guter handwerklicher Brauch, den Vorspann nicht in einem Satz zu schreiben. Ein Vorspann besteht also aus wenigstens zwei Sätzen. Darin lassen sich die  wichtigen W-Fragen meistens gut beantworten – „Wer?“ „Was?“ „Wann?“ „Wo?“ „Weshalb“ oder „Wie?“
2. Ich schlage vor, Sie hören spätestens nach dem vierten Satz auf. Weil zehn Wörter pro Satz als optimal verständlich gelten (siehe unten) und Sie sich ja um Verständlichkeit bemühen, wird Ihr Vorspann höchstens 40 Wörter lang. Deutsche Wörter sind im Schnitt 5,7 Buchstaben lang (jedenfalls ist das die durchschnittliche Wortlänge der Texte, in der der Duden uns seine Stichwörter erläutert). 40 Wörter mal 5,7 Buchstaben sind 228 Buchstaben. Dazu die 39 Leerzeichen zwischen den 40 Wörtern und vier Punkte, dann kommen wir auf 271 Anschläge. Wir müssen die oben genannten 450 Anschläge also nie ausreizen.

500 Anschläge in 66 Wörtern: Ein Vorspann, in dem nicht drin steht, was los war. Die einzige Info, die es zusätzlich zur Ankündigung der Veranstaltung gegeben haben könnte, war "200 Gäste". Textmontage: Egbert Manns

500 Anschläge in 66 Wörtern: Ein Vorspann, in dem nicht drin steht, was los war. Die einzigen Infos, die es zusätzlich zur Ankündigung der Veranstaltung gegeben haben könnte, waren “200 Gäste” und “souverän”.
Textmontage: Egbert Manns

3. Der Vorspann ist die erste Information auf die Frage „Was war los?/Was ist geschehen?“ Diese erste Information wird rund geschrieben. Das heißt, der Leser soll den Vorspann als einen vollständigen kleinen Artikel empfinden. Mehr gehört in den Vorspann nicht rein. Der Umkehrschluss ist stets erlaubt: Ein langer Vorspann schwafelt. Siehe „Best of Singgemeinschaft“.

Anmerkungen: Was wir in späteren Blogbeiträgen behandeln werden, ist die Frage, wie lang ein Satz sein soll. Für Vorspänne ist die Frage einfach zu beantworten: Weil ein Vorspann kurz ist und aus wenigstens zwei Sätzen besteht, sind die Sätze kurz. Faustformel, wie gesagt: Ein Satz ist durchschnittlich zehn Wörter lang.

Die Nachrichtenagentur dpa hat einmal als „Obergrenze der optimalen Verständlichkeit“ neun Wörter angegeben (Quelle: Wolf Schneider, „Kampf den Satzpolypen“, zit. in hiwi.hu-berlin.de, S. 7). Daran hält die dpa sich selbst eher nicht; ihre Schreiber können sich sowieso dann gar nicht daran halten, wenn sie den für Agenturen mittlerweile typischen historizierenden Vorspann schreiben. Das ist der Vorspann, der mit „Nach …“ beginnt. Er reißt die Vorgeschichte an, bevor die Nachricht kommt. Diesem Unfug widme ich wenigstens einen der nächsten Blogs.

Fazit: So kurz wie möglich. Wenigstens zwei Sätze. Im Schnitt 10 Wörter pro Satz. Empfehlung: Der Vorspann sollte nach vier Sätzen, also 40 Wörtern, rund und fertig sein.

© Egbert Manns

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About egbertmanns

Redakteur Lehrbeauftragter (Journalistik)
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