Zur Nachricht gehört ein Vorspann (1) – Zeitungssprache 010

Glauben Sie Kollegen nicht, die über eine Nachricht sagen: „Die braucht keinen Vorspann.“ Prüfen Sie selbst, ob der Text wichtige und zweitwichtige Einzelheiten enthält und entsprechend ein Dutzend Zeilen oder mehr braucht. Wenn ja, schreiben Sie einen Vorspann.

Der Vorspann, das ist die Nachricht, mit der wir den Artikel beginnen, die Fakten, Tatsachen. Wir schreiben den Vorspann „rund“, sagen Journalisten. Das heißt, wir schreiben so viel von der Nachricht, dass die Leser erstens mit zwei oder drei Sätzen über das Wesentliche informiert werden und zweitens am Ende dieser Information das Gefühl haben: Hier ist die Information erst einmal zufriedenstellend präsentiert.

Ein Beispiel: 1. Satz: Die Enstadter Hauptstadt bekommt ein neues Pflaster. Das ist sicherlich eine Information, die für sich stehen kann. Aber es fehlt etwas, nämlich die Quelle für die Information. Deshalb der 2. Satz: Das hat der Gemeinderat beschlossen. Jetzt ist die Meldung rund. Und wenn Sie meinen, dahinter müsse noch ein Satz wie: Das Pflaster kostet 35.000 Euro, schreiben Sie ihn hin. Dann reicht‘s aber.

Journalisten haben daraus das W-Fragen-Konzept entwickelt: Wer tut was? Wann und Wo? Die Antworten auf diese vier W gehören in den Vorspann. Manchmal auch die Antworten auf Wozu, Womit, Weshalb? Es kommt darauf an, was auf die Frage „Was war los?“ zu sagen ist.

Vorspann

Man sieht, welcher Autor den Lesern einen strukturierten Text anbietet. Links Vorspann als erster Absatz, in der Mitte Vorspann in Fettschrift, rechts unstrukturierter Text.
Textmontage: Egbert Manns

Anmerkungen: Um Vorspänne werden in Redaktionen Glaubenskriege geführt, siehe Blogbeitrag 008. Welche Artikel haben Vorspänne? Nur die Mehrspalter, sagen die einen. Aber nicht die kleinen Micker-mehrspalter, die seien eigentlich nur mehrspaltige umbrochene Einspalter. Und Einspalter haben keine Vorspänne, sagen sie, aber die langen über mehr als eine halbe Seite Höhe, die haben doch einen.

In diesen Diskussionen geht es meistens um die Fettvorspänne, das sind die in fetten Buchstaben. Manchmal sind sie in größerer, manchmal in kleinerer Buchstabengröße gesetzt als der normale Text (der heißt übrigens Brottext). Die Diskussion, wann ein Fettvorspann angemessen ist und wann nicht, kann uns egal sein. Wichtig ist, dass Sie auch für die Artikelformen (meistens Einspalter), die keinen Fettvorspann haben, einen Vorspann schreiben, wenn es sich um eine Nachricht handelt.

Denn selbstverständlich schreiben wir den Vorspann, diese  das Wichtigste erzählende Kurzform der Nachricht, rund. Dann setzen einen Return dahinter. So haben wir einen Vorspann geschrieben und ihn dadurch, dass er der erste Absatz ist, auch optisch als solchen markiert.

Zusammenfassung: Einen Vorspann zu schreiben ist eine Leistung, die zum handwerklichen Können eines Redakteurs gehört. Sie ist nicht davon abhängig, ob Fettbuchstaben verwendet werden. Manche Kollegen wollen keine Vorspänne schreiben, wenn für die Artikelform kein Fettvorspann vorgesehen ist. Ignorieren Sie sie. Denn dass man für Nachrichten einen Vorspann schreiben kann, hat immer schon zum Handwerkszeug der Redaktion gehört. Zur Begründung siehe Blogbeitrag 009.

Muss man für Kurznachrichten von 10, 15 Zeilen Länge einen Vorspann schreiben? Für 10 Zeilen vermutlich nicht, aber für manche 15-Zeiler schon. Wenn die Nachricht nach einem halben dutzend Zeilen rund ist, setzen Sie doch einfach einen Return dahinter. Lieber einmal zu deutlich als einmal zu wenig.

© Egbert Manns

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About egbertmanns

Redakteur Lehrbeauftragter (Journalistik)
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