Was los war – Zeitungssprache 006

Was ist los? "Der Mohn ist erblüht." Nicht: Was ist los? "Der Mohn erblühte." – Der erste Satz muss sitzen. Foto: Egbert Manns

Was ist los? “Der Mohn ist erblüht.”
Nicht: Was ist los? “Der Mohn erblühte.”
Der erste Satz muss sitzen.
Foto: Egbert Manns

Die Sprache der Nachricht, die etwas Geschehenes betrifft, ist grundsätzlich das Perfekt. Die Nachricht steht in der Regel im ersten Satz, deshalb steht der erste Satz im Perfekt. Die Nachricht steht im Perfekt, das Perfekt ist das Tempus der Nachricht. So weit, so einfach.

Zwei Einschränkungen heißen „Geschehenes“ und „grundsätzlich“. Das macht die Lage aber nicht komplizierter.

Erstens: Das Geschehene verkünden wir im Perfekt. Das Gegenwärtige natürlich im Präsens: „Die Gemeinde Enstadt ist jetzt eine Klimaschutzstadt.“ Und das Künftige im Futur: „Der Bürgermeister wird morgen das Rathaus verlassen.“

Zweitens: Das Geschehene verkünden wir zwar grundsätzlich im Perfekt. Ausnahme: wenn das Prädikat das Hilfsverb „sein“ oder „haben“ ist, können wir das Imperfekt verwenden – so, wie es dem Sprechgebrauch entspricht..

„Sein“: Kaum jemand würde sagen: „Der Papst ist gestern in Enstadt gewesen.“ Sondern: „Der Papst war gestern in Enstadt.“ Das Hilfsverb „sein“ wird in der Nachricht im Imperfekt benutzt, wenn es das Prädikat ist.

„Haben“: Es hängt von der Gegend an, in der und für die man schreibt, und von den Umständen. Das Hilfsverb „haben“ kann sowohl im Perfekt genommen werden als auch im Imperfekt. Auf die Frage „Was war los“ kann die Antwort lauten: „Die Schüler haben gestern hitzefrei gehabt“ Sie kann auch lauten: „Die Schüler hatten gestern hitzefrei.“ Achten Sie auf den Sprechgebrauch.

Am besten stellen Sie sich vor, Sie gäben jemandem mündlich die Antwort auf die Fragen: „Was war los? / Was ist passiert?“ Hören Sie sich an, was Sie sagen. Schreiben Sie, als sprächen Sie.

Das dritte deutsche Hilfsverb ist „werden“. Das verwenden wir in der Nachricht über Geschehenes im Perfekt, wenn es das Prädikat ist. Niemand würde beispielsweise auf die Frage: „Was war gestern mit dem Oberbürgermeister los?“ antworten: „Er wurde Vater.“ Sondern: „Er ist Vater geworden.“ Schreiben Sie, als sprächen Sie.

@ Egbert Manns

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Redakteur Lehrbeauftragter (Journalistik)
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