Die Nachricht – Zeitungssprache 001

Wenn in einem Text etwas Neues steht, ist er eine Nachricht. Jedenfalls im journalistischen Sinne. Eine Nachricht antwortet auf die Frage: „Was gibt es Neues?“ Die Engländer schreiben gleich den richtigen Begriff: „News – Neuigkeit.“

Intern benutzen Journalisten den Begriff für zwei Aspekte eines Textes. Einmal formal, einmal inhaltlich.

Formal: Eine Nachricht ist kurz. Wenn ein Text länger ist, bezeichnet man ihn als „Bericht“. Wobei die Frage, was „kurz“ und was „lang“ bedeutet, von Redaktion zu Redaktion anders beantwortet wird. In manchen ist eine Nachricht höchstens 15 Zeilen lang, in anderen kann sie 40 Zeilen lang sein.

Inhaltlich: Wie oben geschildert, enthält eine Nachricht neue Informationen, aktuell, wissenswert, wichtig. „Wo bleibt die Nachricht?“, fragt man, wenn jemand etwas erzählt und nicht zur Neuigkeit kommt. Es ist die typische Frage erfahrener Journalisten, wenn sie einen Anfängertext lesen, der falsch aufgebaut ist, der mit irgendetwas Unwichtigem oder Bekanntem beginnt.

Nachrichten. Rechts auch formal Nachrichten, die große Nachricht unten links bezeichnet man als "Bericht". Foto: Egbert Manns

Nachrichten. Rechts auch formal Nachrichten. Die große Nachricht unten links bezeichnet man als “Bericht”.
Foto: Egbert Manns

Im Deutschen verwenden wir zwar einen Begriff, in dem der Aspekt „neu“ sprachlich nicht vorkommt. Aber er enthält zwei andere Aspekte, die für die Nachricht wesentlich sind: „Nach“ und „richt“.

„Nach“ bedeutet, es muss erst etwas geschehen sein, damit der Text überhaupt geschrieben werden kann. „Nach“ verweist damit auf Faktizität, darauf, dass wirklich etwas geschehen ist, dass es eine Quelle für die Nachricht gibt. Deshalb sind Nachrichten keine Spekulation, keine Vermutung, kein Kommentar, keine Bewertung.

„Richt“ dürfen wir als Hinweis darauf ansehen, dass das Geschriebene richtig ist, dass die Leser sich danach richten können. Über Nachrichten wird gesprochen und gestritten, an manchen Nachrichten (zum Beispiel über das Wetter) richten Menschen ihren Tagesplan aus – wehe dem Ansehen der Zeitung, wenn eine Nachricht nicht gestimmt hat.

Wer Nachrichten schreibt, kann viel falsch machen. Zwei Jahre lang werden Redakteure in Tageszeitungen ausgebildet, das nennt sich „Volontariat“. Wer nach diesen beiden Jahren in einer Nachricht immer noch labert anstatt auf den Punkt zu kommen, dem oder der sollte die Redaktion eigentlich keinen erfolgreichen Abschluss bescheinigen. De facto … aber Sie kennen Ihre Zeitung ja.

Fehler fabrizieren Journalisten im Aufbau der Nachricht, in der Wortwahl, den Satzkonstruktionen, in Grammatik und Rechtschreibung. Wir reißen diese Punkte in den folgenden Blogbeiträgen in dieser Reihenfolge an.

© Egbert Manns

Advertisements

About egbertmanns

Redakteur Lehrbeauftragter (Journalistik)
This entry was posted in Vorspann, Zeitungssprache and tagged , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s